Weihnachtsbrief 2020: Rückblick auf ein Jahr voller Herausforderungen

Liebe Freundinnen und Freunde, Patinnen und Paten, Mitglieder und UnterstützerInnen des Vereins Human & Environment e.V.,

ein außergewöhnliches Jahr liegt hinter uns. Die Corona-Pandemie brachte tiefe Einschnitte im Leben der Menschen auf der ganzen Welt. In unserem Projektland Nigeria setzte die Regierung schon früh rigorose Maßnahmen wie Ausgangssperren, Reisebeschränkungen und Schulschließungen durch. Dies mag einer der Gründe sein, aus dem sich bisher im bevölkerungsreichsten Land Afrikas relativ wenige Menschen erkennbar mit dem Virus infiziert haben.

Allerdings haben die Auswirkungen der verschärften Maßnahmen die Probleme vor allem der armen Bevölkerung massiv verstärkt. Unsere Patenmütter verloren aufgrund des Lockdowns ihre Verkaufsmöglichkeiten und damit ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage. Die Lebensmittelpreise, Transport- und Energiekosten sind seitdem enorm gestiegen und haben sich zum Teil verdoppelt. Nachdem uns die verzweifelten Hilferufe der Mütter im Sommer erreichten, erfuhren wir von Ihnen allen eine spontane, großzügige Unterstützung, und alle 52 Patenkinder erhielten zusätzlich 100 Euro.

Auch „unsere“ große Internatsschule für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Osogbo war monatelang geschlossen. In dieser Zeit baten uns die Schulleiter dringend um Hilfe für einzelne besonders bedürftige SchülerInnen, die in ihren Dörfern kaum Hilfe von Verwandten erfuhren. Wir konnten Lebensmittelspenden organisieren und für 4 Jugendliche Paten gewinnen.

Während des Lockdowns nähten die beiden Schneiderinnen unseres Ausbildungsprojektes an der Schule Hunderte von Masken. Nach der Wiederaufnahme des Schulbetriebs wurden sie an die SchülerInnen und MitarbeiterInnen des Internats verteilt und werden für den Aufenthalt außerhalb der Klassenräume genutzt (siehe Titelbild). Für die Lehrer an der Secondary Schule organisierten die PC-Lehrerinnen Computer-Schulungen, um sie bei einem erneuten Lockdown für einen – eingeschränkten – Online-Unterricht vorzubereiten. Auch kümmerte sich der Gemüsebauer um den Schulgarten und konnte mit Schulbeginn den Köchinnen die erste Ernte liefern.

Mit einer zweiten Förderung durch die Schmitz-Stiftung begann im August 2019 der Bau der Biogasanlage auf dem Gelände der Secondary School. Dort leben 300 junge Menschen mit Beeinträchtigungen. Neben den gehörlosen sind auch blinde und körperbehinderte SchülerInnen dabei, die hier das anerkannte „Westafrican Senior School Certificate“ erreichen können. Die Bauarbeiten mit dem manuellen Ausschachten der Grube bei dem trockenen, harten Boden verlangte von den Arbeitern sehr viel Kraft. Später traten ungewöhnlich frühe und heftige Stürme mit Regenfällen auf, so dass Regenwasser und Schlangen immer wieder aus der Grube gepumpt werden mussten.

Arbeiter beim Verschalen der Grube für die Biogas-Anlage.

Der Lockdown führte ab März zu einem vorübergehenden Baustillstand; leider wurde in der Zeit wertvolles Baumaterial gestohlen. Dank einer zusätzlichen Corona-Nothilfe durch die Stiftung konnten wir in der langen Zwangspause die 20 Bauarbeiter mit einer finanziellen Zuwendung unterstützen. Auch alle MitarbeiterInnen der NGO und die Ausbildungsleiter bekamen während des Lockdowns ihren bescheidenen Lohn. Es wurden Wasserschüsseln und Desinfektionsmittel fürs Büro und die Baustelle angeschafft.

Ende September 2020 wurde das große Bauprojekt fristgerecht beendet. Nachdem unser Projektleiter James Olusamni seit März wegen der Reisebeschränkungen nicht zurück nach Nigeria fliegen konnte, hatte sein stellvertretender Ingenieur Dunmola vor Ort die Bauaufsicht übernommen und führte das Bauvorhaben erfolgreich zuende. Über tägliche Videoaufnahmen und Telefonate begleitete James von hier aus das Projekt. Dabei halfen die Erfahrungen vom Bau und der Instandhaltung der ersten Biogas-Anlage auf dem Gelände der Grundschule in 2018.

Jetzt fördert ein Tiefbrunnen sauberes Wasser, und ein modernes, barrierefreies Sanitärhaus hat Wasser-Spül-Toiletten und Duschen. Die Fäkalien aus den Toiletten gelangen wie auch organische Küchenabfälle in die große unterirdische Biogasgrube, in der sich Methangas bildet. Da die Schule erst im November wieder öffnete, wird es noch 2-3 Monate dauern, bis ausreichend Gas zum Kochen der Mahlzeiten vorhanden ist.

Köchinnen haben genug Holz.

Im kommenden Jahr soll ein junger gehörloser Gemüsebauer, der selbst seinen Schulabschluss im Internat erreicht hat, die Kinder bei der Arbeit im Schulgarten anleiten. Gerne möchten wir das berufsvorbereitende Training in mehreren Berufsfeldern fortführen, das bisher von der Bremer Aktion RestCent gefördert wurde. Die SchülerInnen der Abschlussklassen sollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um ihre Qualifikationen weiterzuentwickeln. Dazu werden – aus Mitteln der Corona-Soforthilfe durch die Senatskanzlei Bremen – die Schule ein stabiles Wlan und die SchülerInnen internetfähige Handys erhalten. Auch für den Fall einer erneuten Schulschließung werden damit einige wichtige technische Voraussetzungen für einen Online-Unterricht geschaffen.

Im Namen des H&E-Vorstands danke ich Ihnen ganz herzlich für Ihre treue Unterstützung, ohne die alle kleinen und großen Projekte nicht möglich wären. Dem Dank schließen sich James Olusanmi und all jene an, die die Hilfe aus Deutschland erfahren. Gemeinsam mit ihnen hoffen wir, dass Sie uns verbunden bleiben.

Wir wünschen Ihnen ruhige und friedvolle Feiertage in einer Zeit der Ungewissheit und Herausforderungen.

Barbara Chavez Ramirez

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