Biogas für eine Schule in Osogbo

Mit finanzieller Unterstützung durch die Schmitz-Stiftung hat unsere Partner-Organisation 2017 eine erweiterbare Biogasanlage auf dem Gelände der „School for Persons with Special Needs“ in Osogbo gebaut. Dort werden 180 gehörlose, blinde, körperlich und geistig behinderte Kinder im Primarbereich beschult und wohnen im angeschlossenen Internat.

Das Projekt umfasste die Planung, den Bau sowie die Schulung, Inspektion und Supervision der gesamten Anlage, die als Pilotprojekt zur Anregung und weiteren Verbreitung der nachhaltigen Energiegewinnung und dem Grundwasserschutz gedacht ist.

Die Massnahme beinhaltete auch eine Tiefbrunnenbohrung und den Bau von Sanitäranlagen mit Duschen und Toiletten für Mädchen und Jungen. Die Fäkalien werden als Biomasse ebenso wie organische Küchenabfälle der Biogasanlage zugeleitet und in Biogas zum Kochen umgewandelt. Die unsichere, kostenverursachende und zeitaufwendige Versorgung mit Feuerholz entfällt. Bisher erschöpften die Ausgaben fürs Feuerholz einen großen Teil des schmalen Schulbudgets.

Beim Kochen mit Biogas werden schädliche Klimagase, Atemwegserkrankungen und Verbrennungsunfälle vermieden. Die sich in den Kammern absetzenden Gärreste können als hochwertiger Biodünger chemischen Dünger ersetzen und an Gemüsebauern verkauft oder zur Düngung des geplanten Gemüsebeetes auf dem Schulgelände genutzt werden.

Unsere Mitglieder Alice Echtermann und Barbara Chavez haben im Februar 2017 unsere Partner-Organisation besucht und waren mehrmals auf der Baustelle beim Internat. Die kümmerliche Versorgung der 186 Kinder bedrückte sie sehr: Die Essensrationen waren knapp bemessen, die Kinder schlafen in überfüllten ehemaligen Klassenräumen, die Ausstattung müsste dringend erneuert werden.  Der Bedarf an Hilfsmitteln in der Schule vor allem für die blinden und körperbehinderten Kinder ist groß, entsprechend lang die Wunschliste, die der engagierte aber frustrierte Schulleiter beim Abschied überreichte.

Zunächst aber waren sie froh zu erleben, dass die Bauarbeiten planmäßig voran kamen. Die Toilettenanlage mit Duschen waren im Rohbau fertig, die Biogasgrube wurde ausbetoniert und gedeckt. Der 100 Meter tiefe Brunnen funktionierte bereits– eine Riesenerleichterung für Kinder und Personal.

Im Oktober 2017 besuchten unsere Mitglieder Jumoke Olusanmi und Ruben Schnell das Internat und freuten sich, dass im August die komplette Biogasanlage einschließlich des Kuppelbaus, der Kompostierungskammern und aller Zu- und Ableitungen fertiggestellt worden waren. Die organischen Küchenabfälle wurden über einen Zuführungsschacht in die Grube geleitet. Als die Kinder im September aus den Ferien zurückkehrten, konnten sie zur großen Überraschung die neuen Spültoiletten und Duschräume benutzen. Die Mädchen- und Jungentoiletten sind über eine Rampe für die Kinder im Rollstuhl gut erreichbar, ebenso wie die im Vorraum angebrachten Handwaschbecken.

Seit Anfang Dezember können die Köchinnen mit dem entstandenen Biogas kochen. Sie sind besonders froh, jetzt ohne starke Rauchentwicklung und ohne Gefahren durch das offene Feuer arbeiten zu können.

Am 15.März 2018 wurde das Projekt mit einem großen Fest offiziell eingeweiht. Auch Jutta Hecklau, Siegfried Ueberschär und Barbara Chavez waren dabei, als die Vizegouverneurin von Osun-State und hohe Beamte aus dem Bildungsministerium die Anlage besichtigten und sich für die Unterstützung aus Deutschland bedankten. Da bisher in Osun-State und den umliegenden Bundesländern keinerlei Erfahrungen mit der Nutzung von Biogas gemacht wurden, gilt dieses Projekt als Vorzeige- und Pilotmodell, und die offiziellen Stellen sind stolz auf das Erreichte.

Gleichzeitig wurden wir um weitere Unterstützung auch für andere Internate gebeten, vor allem für die benachbarte Secondary School, an der ca. 300 junge Menschen mit Behinderungen unter ähnlichen Umständen unterrichtet werden.

Unser nächstes Ziel ist jetzt der Schulgarten, der hinter den Schlafräumen im Primarbereich angelegt wird. Zur Bodenverbesserung hatten wir aus Bremen effektive Mikroorganismen mitgebracht, die zusammen mit Grünschnitt und dem Gärschlamm aus den Kompostierungskammern in die trockene Erde eingebracht werden sollen. Dort können die Kinder mit Hilfe und Anleitung Gemüse und kleine Obstbäume anpflanzen, um ihre dürftigen Mahlzeiten anzureichern.